Erstveröffentlicht in der Frühjahr/Sommer-Ausgabe 2026
Fünf Menschen, fünf Perspektiven, fünf Begegnungen. In persönlichen Gesprächen erzählen sie von ihrem Leben, ihren Entscheidungen und davon, was eine Brille für sie bedeutet. Zwischen Nutzen, Stil und Identität entsteht ein sehr individueller Blick auf das Sehen – und auf das, was uns ausmacht.
Suat Gürhan ist erst seit drei Tagen aus Thailand zurück, als wir uns im Geschäft von Sehbegleiter Bruckmann Augenoptik in Köln treffen. Noch liegt ein Hauch von Urlaub über ihm. Er wirkt entspannt und nimmt sich Zeit. Im Souterrain des großzügigen Geschäfts setzen wir uns und kommen ins Gespräch.
Seit über zwanzig Jahren betreibt der 57-Jährige gemeinsam mit seiner Familie einen Kiosk in Köln. Dieser ist von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends geöffnet. Das Sortiment so vielseitig wie die Kundschaft: Lotto, Schreibwaren, Getränke, kleine Lebensmittel, Fanartikel. Sein Laden ist ein Treffpunkt für viele. Während wir sprechen, erzählt er von Kindern, die nach der Schule Süßigkeiten holen, von älteren Stammkunden, die Lotto spielen, und von Menschen, die kurz ihr Handy aufladen. „Wir haben von fünf bis 85 Jahren alle da“, sagt er und lächelt. Querbeet, jeden Tag. Hinzu kommt das Catering bei Konzerten und in Clubs. Wenn in der Live Music Hall bis zu 1.500 Menschen zusammenkommen, steht seine Familie mit dem Wagen bereit. Essen, Getränke, kurze Gespräche – und dann geht es zurück in den Kiosk. Alltag im Dauerlauf. Organisiert wird alles gemeinsam. Neun Menschen gehören zum Team, viele davon sind Familienmitglieder. Jeder kennt seine Aufgabe. Ohne diese Struktur, das wird schnell klar, wäre der Betrieb kaum zu stemmen.
