Trendexpertin Selin Olmsted über Grenzen von Fashion

Erstveröffentlicht in der Frühjahr/Sommer-Ausgabe 2026

Was macht die perfekte Brille aus? Trendexpertin Selin Olmsted weiß es. Ihr Eyewear Design Studio veröffentlicht seit 2024 einen jährlichen Trendreport auf Basis internationaler Recherchen. Für die Wahl der richtigen Brille können Trends Impulsgeber sein, entscheidend ist die Wirkung im Gesicht.

Selin Olmsted ist mit der Kunst des Gestaltens aufgewachsen: Ihr Vater war Architekt, ihre Mutter CEO eines Unternehmens für Lederbekleidung und -accessoires. Olmsted wusste früh, dass sie Designerin werden wollte. Nach einem Abschluss am New Yorker Fashion Institute of Technology arbeitete sie einige Jahre in der Modeindustrie, bevor sie zu dem amerikanischen Brillenunternehmen Warby Parker wechselte. Dort traf sie auf Kenny Schwartz, Co-Founder der Brand Oliver Peoples und „eine Branchenikone der Eyewear-Industrie“, erzählt sie. Bei ihm erlernte Olmsted alles über das Brillendesign. 2015 gründete sie das erste Eyewear Design Studio der USA mit Fokus auf Design, Produktentwicklung und Trendvorhersagen. Die Suche nach der perfekten Brille, so Olmsted, könne durchaus mit Trends als Inspiration beginnen, entschieden werde am Ende jedoch nach Passform und Proportion. „Ein Brillenmodell kann noch so ästhetisch sein: Sitzt es nicht gut im Gesicht, wirkt es weder stimmig noch komfortabel“, sagt Olmsted. Stil brauche Substanz. Deshalb rät sie, Brillen und Sonnenbrillen möglichst immer anzuprobieren. Virtual Try-On sei hilfreich, doch erst beim Aufsetzen zeige sich, ob ein Modell wirklich gut sitzt. Auch das richtige Licht sei entscheidend.

Olmsted rät, zwei bis drei Modelle auszuwählen, sie bei Tageslicht – am besten mit Blick zum Fenster – zu vergleichen und nur die Brille zu behalten, die am besten sitzt. Korrektionsbrillen kaufe sie am liebsten im Fachgeschäft: „Nasensitz, Glashöhe und Tragekomfort lassen sich online nur schwer beurteilen.“ Wichtig seien die Augenbrauen: „Bei Sonnenbrillen dürfen die Brauen oberhalb der Fassung liegen, sie berühren oder dahinter verschwinden. Bei Korrektionsbrillen wirkt es meist harmonischer, wenn sie über dem Rand liegen oder ihn leicht streifen. Hat jemand eine ausgeprägte Brauenkurve, wirkt ein leicht gebogener Rand häufig ausgewogener als ein gerader.“ Auch der Sitz der Augen hinter dem Glas sei wichtig: „Die Pupillen sollten sich horizontal möglichst in der Mitte des Glases befinden und vertikal nicht zu nah am oberen Rand.“ Auf der Nase sollte die Brille möglichst gleichmäßig aufliegen, ohne dass eine Lücke entsteht. Der gesamte Sitz sollte sich stabil anfühlen und nicht drücken, mit Bügeln, die sanft hinter dem Ohr verlaufen. Farblich gilt: „Die beste Brille verschwindet nicht im Gesicht, dominiert es aber auch nicht.“ Und sie müsse zum Alltag passen.

Klare No-Gos: „Alles, was drückt, rutscht oder ständig korrigiert werden muss, ist falsch gewählt.“ Unstimmige Proportionen führten dazu, dass die Brille die Person „trägt“ – nicht umgekehrt. Bei Sonnenbrillen seien Verzerrungen oder unklare UV-Angaben Ausschlusskriterien. Hochwertige Gläser beginnen meist ab etwa 110 bis 125 Euro, darunter sei verlässlicher UV-Schutz nicht sicher, sofern er nicht ausgewiesen werde. „Zwei Korrektionsfassungen gelten als sinnvolles Minimum, falls einer etwas passiert“, rät Olmsted. Auch bei Sonnenbrillen empfiehlt sie zwei Modelle: eine polarisiert für Performance draußen und beim Autofahren, eine nicht polarisiert für Fashion-Vibes in der City. Eine Entspiegelung auf der Glasrückfläche erhöhe den Sehkomfort. Olmsted selbst besitzt berufsbedingt acht Korrektionsfassungen und siebzehn Sonnenbrillen, um Formen und Materialien im Alltag zu testen.

Foto: Helga Traxler / @photosalonhelga

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