Bügelbilder mit „Eyemax“ von Koberg & Tente

Erstveröffentlicht in der Frühjahr/Sommer-Ausgabe 2026

Wir wechseln ständig unsere Outfits, aber selten unsere Brille. Diese Beobachtung machte Koberg & Tente. Warum den Look nicht an Stimmung oder Anlass anpassen? Eyemax ist die Antwort: ein modulares System mit wechselbaren Bügeln. Über Design und Ideen sprachen wir mit Bügeldesigner Oliver Hartmann.

Grafikdesigner Oliver Hartmann kommt aus einer Gestalterfamilie. Beide Elternteile waren Textildesigner. „Meine Eltern haben auf dem Tisch, ich hab unterm Tisch gemalt“, lacht er. Früh lernte er, dass Gestaltung kein Zufall ist, sondern Beobachtung, Erfahrung und das Denken in Kollektionen. Themen entwickeln. Serien aufbauen. Trends erspüren. Was ihn Jahre später zum Brillenunternehmen Koberg & Tente führte, passt genau in diese Denkschule. Denn dort geht es nicht um einen gewöhnlichen Brillenbügel, sondern um ein modulares System: Eyemax.

Die Bügel lassen sich mit wenigen Handgriffen austauschen – ohne Werkzeug, ohne neue Fassung. Eine Brille wird so wandelbar. Die technische Basis bildet ein präzise entwickeltes Federscharnier, das Stabilität und ausreichend Gestaltungsfläche bietet. Acht Zentimeter Spielraum für Persönlichkeit. Hartmann studierte Grafik in Braunschweig, machte sich unmittelbar danach selbstständig – und blieb es bis heute. Über 20 Jahre lang gestaltete er Monat für Monat Titelbilder für den Wirtschaftsspiegel der IHK. „Ich hatte jeden Monat ein neues Thema – fotografisch oder grafisch gelöst.“ Eine Schule in Verdichtung. In Essenz. In visueller Klarheit. Eine Fähigkeit, die ihn für Eyemax prädestinierte.

Koberg & Tente

Grafikdesigner Oliver Hartmann (rechts) im Gespräch mit Koberg & Tente-Geschäftsführer Frank Tente. Am Bügel seiner Brille: ein kleiner Oldtimer. Kein Zufall. Er fährt selbst einen. Individualität auf nur wenigen Zentimetern.

Die Idee eines Wechselbügelsystems existierte bei Koberg & Tente bereits Jahre vor dem Zusammentreffen mit Hartmann. Das Unternehmen arbeitete mit einem koreanischen Partner, optimierte Mechaniken, entwickelte das Federscharnier weiter und schuf mehr Fläche für Gestaltung. Zunächst mit schlichten, einfarbigen Designs. „Erst durch Themen wie Fahrradfahren, Wandern, Maritimes oder Tiermotive wurde es wirklich speziell“, erinnert sich Geschäftsführer Frank Tente.

Entscheidender Impuls war ein Designer vor Ort. Jemand, der verstand, wie der deutsche Markt tickt. Wie Endverbraucher auswählen. Und wie man eine Geschichte erzählt. Seit 2015 gestaltet Oliver Hartmann Eyemax- Bügel und trägt sie selbst. „Ein Bügel hat einen Anfang und ein Ende“, sagt er. „Die Geschichte muss vorne anfangen – nicht hinten am Ohr.“ Ein Motiv einfach zu übertragen, reicht nicht. Es muss reduziert, verdichtet, analysiert werden. „Was ist die Essenz?“, fragt sich Hartmann bei jedem Entwurf. Ein stilisiertes Auto, wie er es als leidenschaftlicher Oldtimer-Liebhaber selbst auf seinem Bügel hat, darf nicht nur irgendein Auto sein – es muss in wenigen Linien eindeutig als solches erkennbar sein.

Hartmann arbeitet selten klassisch am Reißbrett. Er arbeitet im Alltag. „Ich geh durch die Stadt – und hab die Antenne ausgefahren.“ Ein Schaufenster. Eine Jeans mit besonderer Waschung. Ein Teppichmuster in einer Zeitschrift. Ein Stern auf einer Mütze. Im Atelier entstehen daraus zunächst Bilder im Kopf. Motive werden verschoben, gekürzt, geschichtet. Erst dann wandert das Motiv an den Rechner. Das Ergebnis sind kleine visuelle Erzählungen, die auf wenigen Zentimetern funktionieren müssen: Camping mit Wäldchen und Bulli-Silhouette. Maritime Serien mit Segelschiffen, Ankern oder einem schlichten „Moin“. Tiermotive, die für Koberg & Tente Risiko und Bestseller zugleich sein können.

Koberg & Tente

Eine Brille, viele Looks: Mit dem Eyemax- Wechselbügelsystem von Koberg & Tente lässt sich der Stil in Sekunden verändern.

Über 1.000 Varianten sind aktuell im Webshop verfügbar, schätzungsweise über 10.000 Motive sind über die Jahre entstanden. Manche leben zwei Jahre, andere begleiten die Marke seit über einem Jahrzehnt. Die maritimen Motive gehören zu den Dauerläufern. „Die gehen einfach immer“, sagt Tente. Neben erzählerischen Motiven gibt es bewusst universelle Muster: Karos, Streifen, Stoffstrukturen oder Holzoptiken. „Die sprechen eine breite Zielgruppe an“, erklärt Tente. Doch die besonderen Motive erfüllen eine zusätzliche Funktion: Sie eröffnen Gespräche. „Wenn da ein Erdmännchen drauf ist oder ein Spruch, dann wird man eher angesprochen. Und dann geht’s um die Brille. Und um das Wechselsystem.“

Ein Blick auf die Trägerinnen und Träger zeigt unterschiedliche Herangehensweisen. Frauen nutzen den modischen Aspekt oft stärker. „Sie wechseln passend zum Schal oder zur Bluse“, sagt Hartmann. So wie seine Frau. Grundschullehrerin. Mit eigenem Kästchen allein für ihre Bügel. „An Weihnachten trug sie einen Weihnachtspullover – und wechselte die Bügel passend dazu.“ Die Kinder bemerken es sofort. „Das ist aber toll, was du da hast!“ Für Hartmann ist das Bestätigung. Männer wählen gezielter ein Thema – als Statement. Der Handwerker mit Zollstock-Motiv.

Mehr als 100 Mittelteile und über 1.000 verschiedene Bügel machen Eyemax zu einem modularen System, das Design, Alltag und Individualität verbindet.

Der Lokalpatriot mit Ruhrpott-Bügel. Der Segler mit Anker. Wer so genau hinschaut, wie Menschen ihre Bügel tragen, entwickelt zwangsläufig ein feines Gespür für Strömungen. Trendberichte kennt er natürlich. Farbprognosen ebenso. Doch wichtiger ist ihm, was draußen passiert. „Man geht durch die Läden – und sieht plötzlich überall dieses Grau-Grün.“ Blau funktioniert fast immer. Jeans ebenso. Universelle Farben sichern wirtschaftlichen Erfolg. Entscheidend bleibt jedoch das Gefühl. „Herzblut, Herzblut, Herzblut“, sagt Hartmann. „Man muss das fühlen, um eine Geschichte auf so ein kleines Ding zu kriegen.“ Eyemax ist kein austauschbares Zubehör, sondern ein modulares System mit erzählerischem Anspruch. Ein Mechanismus, der Gestaltung Raum gibt. Was als technisches Wechselsystem begann, ist heute ein visuelles Archiv von Beobachtungen. Von Trends. Von Sehnsüchten. Von Humor. Von Persönlichkeit. Wahrscheinlich die Stärke des Systems genau darin: Es erlaubt Veränderung, ohne Identität zu verlieren. Man kann wechseln. Oder bleiben. Modisch reagieren. Oder ein Statement setzen.

Oliver Hartmann hat sein Auto gewählt. Acht Zentimeter Bügel, die eine Geschichte erzählen. Nicht schrill. Aber eindeutig. Und manchmal beginnt Individualität genau dort, wo man sie am wenigsten erwartet: am Bügel einer Brille.

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