Vier Charaktere, vier Designwelten: Götti über die Frage, was Stil ist

Erstveröffentlicht in der Herbst/Winter-Ausgabe 2026/27

Welche Brille passt zu mir? Die neue Kampagne „NEVER NOT IN STYLE SINCE 1998“ von Götti Switzerland beantwortet diese Frage nicht mit Trends, sondern mit Persönlichkeiten. Creative Director Sven Götti und Fotografin Kim Pham sprechen darüber, was guten Stil ausmacht.

Kaum ein Accessoire prägt ein Gesicht so unmittelbar wie eine Brille. Ihre Form kann markant oder zurückhaltend sein, Farbe zeigen oder sich fast unsichtbar machen. „Eine Brille kann sehr schön gestaltet sein, aber wirklich interessant wird sie erst durch den Menschen, der sie trägt und zu seinem eigenen Ausdruck macht“, sagt Creative Director Sven Götti. Genau diesen Gedanken stellt Götti Switzerland mit seiner neuen Kampagne „NEVER NOT IN STYLE SINCE 1998“ in den Mittelpunkt. Statt klassischer Models wurden vier Schweizer Persönlichkeiten aus unterschiedlichen kreativen Bereichen porträtiert: Schauspieler und Sänger Carlos Leal, Architektin Jasmin Grego, Fotografin Kim Pham und Musiker LUCA!. Menschen, die ihren eigenen Stil gefunden haben – und ihn nicht danach ausrichten, was gerade angesagt ist.

Kostas Maros

Musiker LUCA! stand für die Götti-Linie „Dimension“ vor der Kamera.

Als Sven Götti einmal gebeten wurde, seine Marke mit einem einzigen Wort zu beschreiben, lautete seine Antwort: „Style“. Damit meint er allerdings weniger einen bestimmten Look als ein Gefühl. „Style bedeutet für mich, dass ich mich mit einer Form, einem Objekt oder auch einem Menschen auf einer emotionalen Ebene identifizieren kann. Man sieht etwas und spürt intuitiv: Das stimmt für mich.“ Dieses Prinzip bestimmt auch die Gestaltung der Fassungen. Neue Materialien, Technologien, Farben und Formen dürfen und sollen die Kollektionen verändern. Zeitlosigkeit bedeutet für Sven Götti nicht, immer wieder das Gleiche zu entwerfen. Die entscheidende Frage bleibt vielmehr: „Fühlt es sich nach Götti an?“

„Eine Brille ist immer mit Persönlichkeit verbunden.“

Dass darauf ganz unterschiedliche Antworten möglich sind, zeigen die vier Designwelten, die in der Kampagne auf vier Persönlichkeiten treffen. Die „Götti-Switzerland“-Kollektion, repräsentiert von Jasmin Grego, steht für die klare, reduzierte Formensprache der Marke und umfasst unter anderem Fassungen aus Acetat und Titan. Bei „Haute Contour“, getragen von Carlos Leal, darf die Brille stärker zum Statement werden: Konturen und Volumen treten deutlicher hervor und verleihen den Fassungen mehr Präsenz. Die Linie „Dimension“, die LUCA! repräsentiert, nutzt moderne Fertigungstechnologien für leichte, dreidimensional gestaltete Fassungen. Und „Perspective“, getragen von Kim Pham, geht den entgegengesetzten Weg: Hier wird die Konstruktion auf ein Minimum reduziert. Die Brille tritt zurück und lässt dem Gesicht möglichst viel Raum. Vier Linien, vier unterschiedliche Charaktere – und damit auch vier Antworten auf die Frage, wie viel Aufmerksamkeit eine Brille eigentlich auf sich ziehen soll.

Kostas Maros

Architektin Jasmin Grego präsentiert die aktuellen Brillenmodelle von Götti.

Bei Kim Pham lässt sich diese Idee besonders gut beobachten. Auf ihrem Kampagnenporträt trägt die Fotografin eine nahezu randlose Fassung. Feine Bügel und auf ein Minimum reduzierte Verbindungselemente sorgen dafür, dass man zuerst die Person wahrnimmt – und erst danach die Brille. Perspective ist als System gedacht, bei dem sich verschiedene Formen, Größen und Details miteinander kombinieren lassen. So kann eine Brille stärker auf Gesicht, Geschmack und persönliche Vorlieben abgestimmt werden. Nicht ein auffälliges Logo soll für Individualität sorgen, sondern die Auswahl der passenden Form und Konstruktion. Dass gerade Kim Pham diese Linie trägt, passt zu ihrer eigenen Vorstellung von Design. Bevor sie Fotografin wurde, studierte sie Textildesign. „Für mich persönlich geht es stark um das Wesentliche: Funktion, Materialität und den Schnitt“, sagt sie. Ein gutes Design müsse langlebig sein und vor allem im Alltag funktionieren. Stil ist für sie deshalb weit mehr als Mode: „Stil ist eine zweite Hülle der Identität. Wie möchte man gesehen werden? Was erzählt man damit?“

Ihr Textildesignstudium hat auch Phams Verhältnis zu Kleidung verändert. Die Beschäftigung mit Herstellung und Materialien sowie der Dokumentarfilm „The True Cost“ brachten sie dazu, ihren eigenen Konsum zu hinterfragen. Heute trägt sie fast ausschließlich Schwarz. Manche Kleidungsstücke besitzt sie seit mehr als zwölf Jahren. Wenn etwas kaputtgeht, versucht sie es zu reparieren, anstatt es zu ersetzen. Schnitt, Material und Langlebigkeit sind ihr wichtiger als die Frage, ob ein Stück gerade im Trend liegt.

An diesem Punkt treffen sich die Vorstellungen von Kim Pham und Sven Götti. Denn auch für ihn bedeutet zeitloses Design nicht, Trends grundsätzlich zu ignorieren oder Neues abzulehnen. Vielmehr geht es darum, sich weiterzuentwickeln, ohne die eigene gestalterische Identität zu verlieren. „Unsere Formensprache darf und muss sich weiterentwickeln“, sagt Götti. „Die Haltung dahinter sollte jedoch konsequent bleiben.“

Wie viel Inszenierung braucht Stil überhaupt? Phams Antwort darauf ist kurz: Authentizität. Man spüre, wenn jemand mit sich selbst im Reinen sei und Selbstbewusstsein ausstrahle. Das werde sichtbar – unabhängig davon, welche Kleidung oder welche Brille die Person trägt.

Kostas Maros

Schauspieler und Sänger Carlos Leal präsentiert die aktuellen Brillenmodelle von Götti.

Auch Sven Götti möchte mit der Kampagne vor allem dieses Vertrauen in den eigenen Geschmack vermitteln. „Es geht nicht darum, jedem neuen Trend zu folgen oder einem bestimmten Bild entsprechen zu wollen. Style entsteht für mich dann, wenn man weiß, was einem gefällt, und sich damit identifizieren kann.“

Vielleicht ist das letztlich auch ein guter Gedanke für die Wahl der nächsten Brille. Manche Menschen fühlen sich mit einer fast unsichtbaren Perspective wohl. Andere suchen die stärkere Präsenz einer „Haute Contour“, die Dreidimensionalität von „Dimension“ oder die klare Formensprache der „Götti-Switzerland“-Kollektion. Die entscheidende Frage lautet dann nicht nur: Steht mir diese Brille? Sondern auch: Fühlt sie sich nach mir an?

Fotos: Kostas Maros

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