Welche Formen und Details bleiben – und wann wird Zurückhaltung beliebig?
Klement: Klare Linien, Zurückhaltung und Farben, die nicht unmittelbar an einen kurzfristigen Trend gebunden sind, können eine lange Lebensdauer begünstigen. Aber daraus lässt sich keine Formel ableiten. Ein Entwurf muss trotz aller Zurückhaltung einen eigenen Charakter besitzen.
Das Brillenmodell „A5 215“ gibt es seit 20 Jahren. Ist es damit zeitlos?
Fux: Die „A5 215“ gehört nach rund 20 Jahren noch immer zu den fünf stärksten Formen unserer A5-Linie. Ich denke, sie funktioniert so lange, weil ihre Proportionen ausgewogen sind und man sich an ihr nicht schnell sattsieht. Am Ende ist der Kunde der ehrlichste Richter über Zeitlosigkeit. Nach fünf Jahren würde ich noch nicht von zeitlos sprechen, nach zehn wird es interessant und wenn sich Menschen auch nach 20 Jahren kontinuierlich für eine Brille entscheiden, darf man den Begriff wahrscheinlich mit ziemlich gutem Gewissen verwenden. (lacht)
„Zeitlosigkeit entsteht zwischen Produkt, Umgebung und den Menschen.“-Susanne Klement
Und privat: Müssen Dinge zeitlos sein – oder dürfen sie ihre Zeit zeigen?
Klement: Im Wohnbereich vermeide ich Dinge, an denen man sich schnell sattsieht, und mag eine schlichte Gestaltung. Gleichzeitig gefällt mir die Kombination verschiedener Stile. Manche Stücke stammen aus einer Erbschaft, etwa ein Thonet-Stuhl oder ein Mid-Century- Sideboard. Das sind Dinge, denen man ihre Zeit durchaus ansehen darf.
Fux: Privat bin ich ziemlich minimalistisch. Ich kaufe lieber einmal hochwertig und behalte Dinge lange. Neu ist für mich nicht automatisch besser – außer vielleicht bei Technik. (lacht) Gleichzeitig mag ich Dinge, denen man ihre Zeit ansieht, etwa einen alten Mustang oder einen VW Käfer.