Eigentlich führt uns der Weg hierher wegen einer Brillenmanufaktur. Markus T fertigt in Gütersloh-Isselhorst Designbrillen in Handarbeit. Die ehemalige Kornbrennerei Elmendorf ist dabei weit mehr als eine ungewöhnliche Kulisse. Wo früher Korn gebrannt wurde, wird heute entwickelt, gelasert, gefärbt, montiert und von hier in mehr als 35 Länder weltweit verkauft. Doch schon nach wenigen Schritten wird klar: Bei der Brille hört die Geschichte nicht auf.
Wenn Markus Temming Besucher über den Hof führt, ist er gespannt darauf, ob sie erkennen, „dass hier alles zusammengehört“. Vielen falle zuerst die historische Brennerei oder die gläserne Manufaktur ins Auge. Ihm geht es um den Zusammenhang. „Hier stehen nicht einfach Gebäude nebeneinander, sondern alles folgt einer gemeinsamen Idee.“ Dabei begann diese Welt tatsächlich mit einem einzigen Produkt. „Am Anfang stand die Brille“, sagt Temming. Mit dem Wachstum von Markus T sei ihm jedoch bewusst geworden, „dass gute Ideen Raum brauchen“. Raum für Menschen, die arbeiten, sich begegnen und kreativ sein können. Bis heute schlägt das Herz des Unternehmens in der Manufaktur.
„Ein gutes Produkt braucht Menschen, die gerne daran arbeiten. Und Menschen arbeiten besser an einem Ort, an dem sie sich wohlfühlen und inspiriert werden“
Wer durch die Werkstätten geht, begegnet der Brille in verschiedenen Stadien ihrer Entstehung. Rohmodelle warten auf den nächsten Arbeitsschritt, Laser bearbeiten das Material, Fassungen erhalten ihre Farbe, anschließend wird getrocknet, geprüft und montiert. Es sind viele einzelne Handgriffe für ein Produkt, dem man diese Arbeit am Ende möglichst nicht ansehen soll. Die fertige Brille soll leicht wirken, reduziert im Design. Mehr als zwanzig Hände, erzählt Temming, seien an einer Brille beteiligt, bevor sie die Manufaktur verlässt.
Wie kurz die Wege zwischen diesen Händen und dem Träger der Brille sind, zeigt sich wenig später im eigenen Brand Store. Eine Augenoptikerin händigt einem Stammkunden seine neue Brille aus. Während hier über Formen, Proportionen und Passform gesprochen wird, liegt der Ort der Entstehung nur wenige Schritte entfernt. Der Weg vom Rohmodell bis zur fertigen Brille lässt sich auf diesem Hof tatsächlich ablaufen.