Ohne Etiketten: Designerin Patty Perreira im Interview

Erstveröffentlicht in der Herbst/Winter-Ausgabe 2026/27

Eine Brille begleitet uns jeden Tag, prägt unser Gesicht und sagt oft mehr über uns aus, als uns bewusst ist. Doch was macht gutes Brillendesign aus – heute und in Zukunft? Wir treffen die in Los Angeles beheimatete Designerin Patty Perreira in Paris.

Seit der Gründung von Barton Perreira im Jahr 2007 steht Designerin Patty Perreira für eine zurückhaltende Form von Luxus. Entworfen in Kalifornien und von Hand in Japan gefertigt, kommen ihre Fassungen ohne plakative Logos aus – ihre Handschrift soll sich in Materialien, Farben, Proportionen und Details zeigen. Seit 2023 gehört Barton Perreira zu Thélios LVMH Eyewear Excellence, der Brillensparte des Luxuskonzerns LVMH, und steht damit vor einer neuen Phase internationalen Wachstums. Die kreative Richtung verantwortet Perreira weiterhin selbst. Im Interview spricht sie darüber, warum ihre eigene erste Brille ihr Selbstvertrauen gab, wie sich die Wünsche von Männern und Frauen verändern und weshalb eine Brille ein Teil der eigenen Identität ist.

Patty Perreira, woran erkennt man eine Barton-Perreira-Brille – auch ohne den Namen zu sehen?

Barton Perreira zeichnet sich seit jeher durch eine zurückhaltende Selbstsicherheit aus. Wir setzen nicht auf auffällige Logos; die Identität der Marke kommt durch das Design selbst zum Ausdruck. Unsere hochglänzenden japanischen Acetate, eigens entwickelten Farbgebungen, handgetauchten Verlaufsgläser, filigranen Titandetails und plastisch ausgearbeiteten Facettierungen sind zu unverkennbaren Markenzeichen geworden. Jedes Detail folgt einer klaren Intention. Ich glaube, die Menschen erkennen Barton Perreira daran, dass die Fassungen unverwechselbar wirken, ohne sich in den Vordergrund drängen zu müssen.

Ihre Brillen werden in Kalifornien entworfen und in Japan handgefertigt. Was bedeutet diese Verbindung für Design und Qualität?

Kalifornien besitzt eine ganz besondere Energie, die mich immer wieder inspiriert. Die japanischen Kunsthandwerker verleihen den Entwürfen eine weitere Dimension. Sie verstehen die Intention hinter jedem Entwurf und setzen ihn mit außergewöhnlicher Präzision und handwerklichem Können um. Kalifornien verleiht der Kollektion ihren Geist, Japan ihre Disziplin und Raffinesse. Die Verbindung dieser beiden Welten ist die Seele von Barton Perreira.

Barton Perreira

Patty Perreira, Mitgründerin und Designerin von Barton Perreira, steht für Brillendesign mit einer unverwechselbaren, zurückhaltenden Handschrift.

Barton Perreira wächst international. Was darf sich dabei niemals verändern?

Was sich niemals verändern darf, ist die Integrität des Produkts. Wachstum darf niemals zulasten unserer Werte gehen. Wir können uns weiterentwickeln und expandieren, doch das Produkt muss sich immer unverkennbar nach Barton Perreira anfühlen.

Los Angeles, Düsseldorf oder Tokio: Wie beeinflusst ein internationales Publikum Ihre Arbeit als Designerin?

Eine der größten Stärken von Barton Perreira liegt in der Vielfalt der Kollektion. Dennoch verbindet die Fassungen eine durchgängige Designsprache, die Qualität der Materialien und das hohe Niveau der handwerklichen Verarbeitung. International zu entwerfen, bedeutet nicht, eine einzige Fassung zu schaffen, die jedem gefällt. Es bedeutet, eine Kollektion mit genügend Vielfalt zu schaffen, damit sich ganz unterschiedliche Menschen darin wiederfinden können.

„Eine der größten Stärken von Barton Perreira liegt in der Tiefe der Kollektion. Wir lassen uns nicht durch einen einzigen Archetyp definieren.“

Was macht die Brille für jeden Tag gestalterisch so spannend?

Ich brauchte schon in jungen Jahren eine Brille – zu einer Zeit, als das Brillentragen bei Kindern nicht unbedingt positiv gesehen wurde. Doch von dem Moment an, als ich meine erste Brille aufsetzte, liebte ich sie. Sie gab mir Selbstvertrauen und stärkte mein Gefühl für meinen persönlichen Stil. Dieses Gefühl treibt mich bis heute an. Eine Brillenfassung wird zu einem Teil des Gesichts und der eigenen Identität. Ich möchte, dass die Menschen, die meine Brillen tragen, sich selbstbewusster und ausdrucksstärker fühlen – und noch mehr wie sie selbst.

Barton Perreira

Highlight-Modell der aktuellen Kollektion: „Beckford“

Was erwarten Männer und Frauen heute von einer Brille?

Die Grenzen, die traditionell mit Geschlecht und Mode verbunden wurden, werden zunehmend fließender. Frauen fühlen sich heute durchaus von traditionell maskulinen Silhouetten angesprochen, während immer mehr Männer ausdrucksstarke Farben, feinere Proportionen und Formen für sich entdecken, die früher als feminin gegolten hätten. Letztlich wünschen sich Menschen Brillen, die zu ihrer Persönlichkeit passen. Gleichzeitig erwarten sie Komfort, Qualität und Vielseitigkeit. Die größte Veränderung besteht in der zunehmenden Freiheit, sich bei der Wahl vom eigenen Instinkt statt von Etiketten leiten zu lassen.

Wie werden unsere Brillen in fünf Jahren aussehen – und welche Rolle spielt Barton Perreira dabei?

Technologie und Materialinnovationen werden Fassungen leichter, komfortabler und noch präziser auf den einzelnen Menschen zugeschnitten machen. Dennoch werden die Menschen weiterhin nach Objekten mit Seele suchen. In einer Welt, in der so vieles automatisiert und zum Wegwerfprodukt wird, werden durchdachtes Design und menschliches Handwerk noch mehr an Bedeutung gewinnen. Ich hoffe, dass Barton Perreira diese Zukunft mitgestalten kann, indem wir zeigen, dass Innovation und Zeitlosigkeit miteinander vereinbar sind. Mein Ziel ist es, Fassungen zu entwerfen, die Menschen auch weit über die nächsten fünf Jahre hinaus schätzen und tragen möchten.

Barton Perreira

Highlight-Modell der aktuellen Kollektion: „Beckford“

Fotos: Barton Perreira

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